Klassismus bezeichnet die Benachteiligung oder Diskriminierung von Personen oder Personengruppen aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder Position.
Von Klassismus Betroffene sind benachteiligt zum Beispiel in Bezug auf Bildung, Wohlstand und Mitbestimmung in der Gesellschaft. Sie werden aus bestimmten gesellschaftlichen und beruflichen Positionen ausgeschlossen, weil sie zum Beispiel keinen angesehenen Abschluss haben. Die Folgen in unserem Wirtschaftsystem sind oft ausbeuterische, ungerechte Löhne und Armut sowie schwierige, unwürdige Arbeitsbedingungen. Betroffene können weniger an Politik und am öffentlichen Leben teilnehmen. Ihr Wissen zählt weniger und ihre Erzählungen finden seltener Gehör, als die von Akademiker*innen. Ausschlüsse und Vorurteile aufgrund der sozialen Herkunft der Familie ziehen sich bereits ab der Schule durch alle Lebensbereiche wie zum Beispiel Wohnen, Gesundheit und Freizeit.

Was passiert noch bei Klassismus? Menschen werden bestimmte abwertende Eigenschaften und Fähigkeiten klischeehaft zugeschrieben, zum Beispiel ein bestimmter Geschmack oder eine bestimmte Sprache. Diese Zuschreibungen werden oft von denen gemacht, die sich in machtvolleren Positionen befinden viele Vorteile, also Privilegien haben. Von den Betroffenen werden diese Zuschreibungen verinnerlicht – das heißt Betroffene glauben selbst daran, dass sie so sind und deshalb weniger Anerkennung verdienen. Ein Beispiel: Sozialhilfeempfänger*innen werden im TV immer wieder auf dieselbe Weise klischeehaft dargestellt.
Außerdem wird den Menschen in unserer Gesellschaft erzählt, dass Erfolg davon abhängig ist, wie sehr sie sich anstrengen. Wer viel leistet, wird angeblich dafür belohnt. – Mit einem guten Job und viel Gehalt zum Beispiel. Jedoch ist es nicht für alle gleich möglich, Erfolg zu haben.
Ein Beispiel hierfür: Schüler*innen, deren Eltern keinen formal hohen Bildungsabschluss, wie zum Beispiel Abitur, haben, wird sowohl von Lehrpersonen als auch den eigenen Eltern oft weniger zugetraut. Sie haben deshalb schlechtere Chancen, in der Schule Erfolg zu haben.

In unserem Alltag ist Klassismus allgegenwärtig und doch oft unsichtbar und unhinterfragt. Klassistische Diskriminierung drückt sich in vielfältiger Weise aus. Betroffene Menschen werden oft ignoriert und erfahren Gewalt. Genau wie andere menschenverachtende Denk- und Handlungsmuster wie zum Beispiel Rassismus, Sexismus und Ableismus ist Klassismus durch Macht- und Herrschaftsverhältnisse tief in der Gesellschaft, in Gesetzen und Behörden verankert. Deshalb denken wir als in dieser Gesellschaft aufgewachsene Menschen klassistisch, auch wenn wir es nicht wollen.

Klassismus ist mit anderen gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeiten verschränkt. Diskriminierungskategorien wie Geschlecht, Sexualität, ethnische Herkunft, Religion, Alter, Ability und eben Klasse wirken nicht allein, sondern vor allem im Zusammenspiel mit den anderen. Diese Wechselwirkung wird Intersektionalität genannt. Im Missy Magazin findet sich eine kurze Erklärung von Intersektionalität. Auch wir glauben, dass Formen von Diskriminierung und Unterdrückung nicht getrennt voneinander betrachtet und bekämpft werden können!
Übrigens: Der Begriff Klassismus taucht erstmals Mitte der 1970er Jahren in den USA unter feministisch-lesbischen Gruppen auf und ist fast genauso alt wie der Begriff Sexismus.